Integrationskurse in Deutschland – Wie kann man sich anmelden und was passiert, wenn man nicht hingeht?

13 Januar 2026
Mann hält deutsche Flagge und lädt zu Bamf-Kursen ein-DE Source: Vista Create

Integrationskurse sind ein praktisches Instrument, das Neuankömmlingen in Deutschland hilft, schneller Fuß zu fassen. Hier lernt man nicht nur die Sprache, sondern bekommt auch erklärt, wie das Leben im Land funktioniert: von Gesetzen und Arbeit bis hin zu alltäglichen Dingen, die den Alltag erleichtern.

Was ist ein Integrationskurs und wozu ist er gut?

Der Integrationskurs ist ein staatliches Programm, das vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) koordiniert wird. Es wurde geschaffen, damit sich neu angekommene Menschen hier nicht verloren fühlen.

Der Kurs teilt sich in zwei Teile: Zuerst verbessern Sie Ihre Sprache, dann lernen Sie, wie das Leben in Deutschland funktioniert – von Grundrechten bis hin zu Alltagsregeln und ungeschriebenen Normen.

Hauptziel (BAMF): Sprache und Orientierung in der deutschen Gesellschaft

Kurz gesagt verfolgt der Kurs zwei Hauptziele:

1. Ihnen die Sprache auf einem Niveau zu vermitteln, das für das reale Leben ausreicht

  • mit dem Arbeitgeber sprechen,
  • mit dem Arzt kommunizieren,
  • Briefe von Behörden verstehen,
  • sich in Gesprächen mit Nachbarn oder im Geschäft zurechtfinden.

Der Kurs führt zum Niveau B1 – das ist das Minimum, mit dem Sie alltägliche Aufgaben sicher bewältigen können.

2. Helfen zu verstehen, wie Deutschland funktioniert

  • wie Rechte und Pflichten der Einwohner funktionieren,
  • was erlaubt ist und was nicht,
  • wie Schulen, Krankenversicherungen, Steuern und Behörden aufgebaut sind,
  • welche Regeln für das Leben in der Gesellschaft wichtig sind.

Dieser Teil hilft, typische Fehler und Missverständnisse zu vermeiden, die bei Neuankömmlingen häufig auftreten.

Woraus besteht der Kurs? Struktur und Stunden

Die gesamte Struktur gliedert sich in zwei Hauptbestandteile: den Sprachblock und den Orientierungskurs.

1. Sprachkurs – 600 Stunden (kann auch mehr sein)

Hier durchlaufen Sie den gesamten Weg von einfachen Alltagsphrasen bis zur sicheren Kommunikation auf B1-Niveau. Der Stoff ist in drei Etappen unterteilt:

A1 – Erste Schritte (100–200 Stunden)
Grundlegende Sätze, Alltagssituationen, einfache Grammatik.
A2 – Anfängerniveau (200 Stunden)
Fähigkeit, einen Dialog zu führen, Bedürfnisse zu erklären und den Gesprächspartner zu verstehen.
B1 – Arbeitsniveau (300 Stunden)
Hier können Sie bereits kommunizieren, ohne ständig nach Worten zu suchen, einfache Dokumente schreiben und Behördenbriefe verstehen.

2. Orientierungskurs – 100 Stunden

Dieser Teil hilft, das Land zu verstehen, in dem Sie leben. Hier spricht man über:

  • Rechte und Pflichten der Einwohner Deutschlands,
  • die Arbeit der staatlichen Organe,
  • das Bildungs-, Gesundheits- und Steuersystem,
  • Geschichte, Verfassung (Grundgesetz) und alltägliche Verhaltensnormen.

Insgesamt umfasst der vollständige Integrationskurs in der Regel 700 Stunden. Aber wenn Sie mehr Zeit benötigen, ist das Programm flexibel: Man kann die Ausbildung verlängern oder Module wiederholen, falls das Niveau schwieriger war als erwartet.

Spezielle Kursarten: Intensiv, für Jugendliche und Alphabetisierung

Nicht alle Integrationskurse sind gleich – das BAMF versucht, sich an unterschiedliche Bedürfnisse anzupassen. Daher gibt es neben der klassischen Variante spezielle Programme.

  • Intensivkurs
    Dies ist eine Option für diejenigen, die den Weg von A1 bis B1 so schnell wie möglich zurücklegen wollen. Der Unterricht findet häufiger statt, die Belastung ist höher und die Gesamtdauer ist auf ca. 430 Stunden verkürzt.
  • Jugendintegrationskurs
    Erstellt für junge Leute bis 27 Jahre. Hier liegt der Schwerpunkt nicht nur auf der Sprache, sondern auch auf der sozialen Anpassung: wie man eine Ausbildung sucht, wie man Bewerbungen schreibt, wie man sich in das deutsche Schul- oder Berufssystem integriert. Es gibt mehr Stunden – ca. 900.
  • Alphabetisierungskurs
    Dies ist ein Programm für diejenigen, die ganz bei den Grundlagen beginnen müssen: bei Buchstaben und einfachem Schreiben. Hier wird alles maximal schrittweise, ruhig und ohne Eile erklärt. Der vollständige Kurs kann bis zu 1.300 Stunden dauern.

Wer ist berechtigt oder verpflichtet, die Kurse zu besuchen?

Alles hängt davon ab, welchen Status Sie haben, woher Sie Unterstützung erhalten und welche Ziele die Ausländerbehörde oder das Jobcenter für Sie setzt.

Verpflichtende Teilnahme (Verpflichtung): Rolle von Jobcenter und Ausländerbehörde

Wann kann das Jobcenter verpflichten?
Wenn Sie Bürgergeld beziehen, hat das Jobcenter das Recht, Ihnen eine Verpflichtung auszustellen. Unentschuldigtes Fehlen kann zu Sanktionen führen.

Wann kann die Ausländerbehörde verpflichten?
Auch die Ausländerbehörde kann eine Verpflichtung ausstellen – besonders wenn das Sprachniveau für die Integration unzureichend ist. Signale können sein: schlechte Testergebnisse, Fehlen von Minimalkenntnissen, Notwendigkeit für die Verlängerung des Aufenthaltstitels.

Freiwillige Teilnahme: Wie bewirbt man sich selbstständig?

In Deutschland kann jeder Ausländer, der plant, länger als ein paar Monate hier zu leben, einen freiwilligen Antrag stellen. So geht’s:

  1. Finden Sie eine Schule, die Integrationskurse durchführt (Volkshochschule, private Zentren). Alle haben den Vermerk Integrationskurs nach BAMF.
  2. Melden Sie sich zum Einstufungstest an. Das ist ein kurzer Test, um Ihr Niveau zu bestimmen.
  3. Die Schule reicht den Antrag beim BAMF ein. Sie bringen nur Ihren Pass und den Nachweis Ihres Status mit.
  4. Sie erhalten die Bestätigung und starten. Normalerweise kommt der Brief innerhalb weniger Wochen.

Die freiwillige Teilnahme ist praktisch, da Sie Schule, Format und Zeitplan selbst wählen können.

Ausnahmen: Wer ist vom Besuch befreit?

Es gibt Personengruppen, für die der Integrationskurs nicht verpflichtend ist:

  • Kinder und Jugendliche, die ohnehin eine deutsche Schule besuchen;
  • Personen mit gutem Sprachniveau (Zertifikat B1 und höher);
  • EU-Bürger, die den Kurs nicht für die Verlängerung ihres Status benötigen;
  • Ältere Menschen oder Menschen mit schweren Erkrankungen (wenn ein Arzt dies bestätigt).

Anmeldung zum Kurs: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Das Anmeldeverfahren ist ziemlich einfach. Die Hauptsache ist zu verstehen, wo man was erledigt.

Schritt 1: Erhalt der Berechtigung (Berechtigungsschein)Zunächst benötigen Sie ein Dokument, das Ihr Recht auf Teilnahme bestätigt – den Berechtigungsschein. Diesen stellen aus:

  • Jobcenter – wenn Sie Bürgergeld beziehen;
  • Ausländerbehörde – bei Erteilung/Verlängerung des Aufenthaltstitels;
  • BAMF – wenn keine Möglichkeit besteht, die Berechtigung bei anderen Behörden zu erhalten.

Schritt 2: Wahl der Sprachschule und EinstufungstestDann wählen Sie eine Schule – hier haben Sie die freie Wahl (Volkshochschule, private Zentren). Vor Beginn werden Sie gebeten, einen Einstufungstest zu machen – einen kleinen Test, der hilft zu verstehen, mit welchem Modul Sie beginnen.

Nutzung des BAMF-NAvI Systems zur Kurssuche

Wenn Sie vorab nach Optionen suchen möchten, gibt es ein bequemes Tool – BAMF-NAvI. Das ist das offizielle Online-Verzeichnis der Kurse in ganz Deutschland.

Zur Website BAMF-NAvI wechseln

Praktisch ist, dass die Seite Kurse genau in Ihrer Stadt oder Ihrem Bezirk anzeigt – es reicht, die Postleitzahl einzugeben.

Was kostet ein Integrationskurs? Preise und Vergünstigungen

Hier gibt es keine versteckten Kosten oder unangenehmen Überraschungen – das Zahlungssystem ist recht transparent.

Kostenlose Teilnahme (Kostenbefreiung): Für Leistungsbezieher

Wenn Sie irgendeine Form staatlicher Unterstützung erhalten, ist der Kurs für Sie meistens komplett kostenlos. Unter diese Regel fallen:

  • Empfänger von Bürgergeld,
  • Personen, die Sozialhilfe beziehen,
  • bestimmte Kategorien von Flüchtlingen.

In diesem Fall beantragt die Schule die Befreiung, und das BAMF übernimmt 100% der Kosten.

Standardkosten für Selbstzahler

Wenn keine Vergünstigungen vorliegen, gilt ein einheitlicher Festpreis: 2,29 Euro pro Unterrichtsstunde (45 Minuten).

Die Gesamtkosten (600+100 Stunden) belaufen sich auf ca. 1.600–1.700 Euro. Der Betrag muss nicht auf einmal gezahlt werden – normalerweise erfolgt die Zahlung in Raten, pro Modul.

Wie bekommt man 50% der Kosten zurück? (Rückerstattung)Wenn Sie die Abschlussprüfung DTZ (Niveau B1) innerhalb von 2 Jahren nach Erhalt der Berechtigung erfolgreich bestehen, bekommen Sie die Hälfte der gezahlten Summe zurück. Das nennt man Rückerstattung. Das geht einfach: Antrag beim BAMF stellen und das Zertifikat beifügen.

Anwesenheitsregeln und Krankmeldungen: Disziplin steht an erster Stelle

Der Integrationskurs ist ein Programm, das der Staat finanziert, damit man die Sprache wirklich lernt. Wenn Sie für den Kurs angemeldet sind, besonders mit einer Verpflichtung, wird von Ihnen eine regelmäßige Teilnahme erwartet.

Entschuldigte Fehlzeiten

Es gibt Gründe, die als entschuldigt gelten:

  • Krankheit – mit Bestätigung vom Arzt (Attest),
  • Krankheit des Kindes, wenn Sie die Hauptbetreuungsperson sind,
  • wichtige Behördengänge: Termine bei der Ausländerbehörde, im Jobcenter,
  • Gericht, Anwalt, Dokumentenerstellung,
  • Arbeitsaufnahme oder Vorstellungsgespräch.

In diesen Fällen reicht es, eine Bescheinigung vorzulegen – die Schule vermerkt das Fehlen als entschuldigt.

Folgen von unentschuldigtem Fehlen: Sanktionen vom Jobcenter

Wenn Sie den Kurs aufgrund einer Verpflichtung durch das Jobcenter besuchen, gilt hier eine einfache Regel: regelmäßiges Fehlen ohne triftigen Grund = Sanktionen.

Was passieren kann:

  • Kürzung des Bürgergeldes um 10–30%,
  • Forderung einer schriftlichen Erklärung,
  • Zuweisung einer neuen Maßnahme,
  • in extremen Fällen – Aussetzen der Teilnahme am Kurs.

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Prüfungen und Zertifikate: Das Finale der Ausbildung

Prüfungen sind hier nicht dazu da, Angst zu machen, sondern um zu verstehen, wo Sie gerade stehen.

Sprachtest (DTZ – Deutsch-Test für Zuwanderer)

Der DTZ ist die Hauptprüfung des Kurses. Die Prüfung testet das Niveau von A2 bis B1. So sieht der Test aus:

  • Schriftlicher Teil (Schreiben + Lesen und Hören),
  • Mündlicher Teil (Dialog, Situationsbeschreibung).

Wenn Sie B1 erreichen, gilt der Kurs als erfolgreich abgeschlossen.

Test „Leben in Deutschland“ (LiD)

Diese Prüfung schließt den Orientierungskurs ab. Ihre Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass man grundlegende Dinge über das Land versteht. Sie besteht aus 33 Fragen (über Bundestag, Rechte, Wahlen, Verfassung). Um den Test zu bestehen, genügt es, 17 Fragen richtig zu beantworten.

Was tun, wenn man die Prüfung nicht bestanden hat? (Wiederholung)Wenn das Ergebnis unter der Schwelle liegt – keine Katastrophe. Die Wiederholung ist immer kostenlos oder kostet symbolisch (abhängig von der Schule), besonders wenn Sie den Kurs aufgrund einer Verpflichtung durch das Jobcenter besuchen.

Was tun nach dem Kurs? Nächste Schritte

Das B1-Zertifikat zu erhalten ist nicht das Ende, sondern eher der Punkt, von dem aus man die nächste Stufe seines Lebens in Deutschland bauen kann.

Berufssprachkurse (B2/C1)

Der Berufssprachkurs ist ein Werkzeug für Arbeit und Karriere. Diese Kurse führen zu den Niveaus B2 oder C1. Was sie bringen:

  • berufliches Vokabular (Medizin, Logistik, Büro),
  • schriftliche Fähigkeiten: Verfassen von Briefen, Berichten, Bewerbungen,
  • Verständnis dafür, wie Kollegen kommunizieren,
  • Training realer Arbeitssituationen.

Der Kurs dauert normalerweise 400–500 Stunden. Wenn Sie beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit gemeldet sind, können auch diese Kurse kostenlos sein.

Irina Turaieva

Artikelschreiberin, Philologin, Journalistin und Übersetzerin. Ich liebe Poesie, originelle Musik und Reisen ans Meer. Jeden Tag lerne ich, Gott zu vertrauen und jeden Augenblick des Lebens zu genießen.

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